Aus der Praxis
Definition: Akute und chronische Wunden
Systematisches Wundassessment
Wundgröße
Länge, Breite und Tiefe in Zentimetern messen. Bei unregelmäßigen Formen die größte Ausdehnung dokumentieren. Fotodokumentation mit Maßstab ergänzt die Messung.
Wundgrund
Beschreibung des Wundbodens: Granulationsgewebe (rot, feucht, körnig), Fibrinbeläge (gelb, anhaftend), Nekrosen (schwarz, fest oder feucht). Der Wundgrund bestimmt die Therapie.
Wundrand
Beurteilung des Wundrands: glatt, unterminiert, wulstig, mazeriert, entzündlich gerötet. Ein livider, unterminierter Rand kann auf eine Wundinfektion hinweisen.
Exsudat
Menge (wenig, mäßig, viel), Farbe (serös, sanguinolent, purulent) und Geruch dokumentieren. Die Exsudatmenge bestimmt die Wahl des Verbandmaterials.
Wundumgebung
Hautzustand im Umkreis von 5 cm: intakt, mazeriert, gerötet, ödematös, ekzematös. Die Wundumgebung gibt Hinweise auf Ursachen und Komplikationen.
Schmerz
Schmerzintensität (NRS 0 bis 10), Schmerzcharakter (brennend, stechend, pochend), Zeitpunkt (Ruhe, Verbandwechsel, Belastung). Schmerz beeinflusst die Wundheilung direkt.
Phasengerechte Wundversorgung
Reinigungsphase (Exsudative Phase)
Ziel: Entfernung von Nekrosen, Belägen und Fremdkörpern. Methoden: Wundspülung mit Ringer-Lösung oder Polihexanid, autolytisches Débridement (Hydrogele), mechanisches Débridement (feuchte Kompressen), chirurgisches Débridement durch den Arzt oder die Ärztin. Geeignete Materialien: Hydrogele, Alginate, superabsorbierende Wundauflagen bei starker Exsudation.
Granulationsphase (Proliferationsphase)
Ziel: Aufbau von neuem Gewebe (Granulationsgewebe). Die Wunde muss feucht, warm und frei von Druck gehalten werden. Geeignete Materialien: Schaumstoffverbände (PU-Schäume), Hydrokolloide, Alginatverbände bei mäßiger Exsudation. Verbandwechselintervalle verlängern sich, um das empfindliche Gewebe nicht zu schädigen.
Epithelisierungsphase
Ziel: Wundverschluss durch neue Hautzellen. Die Wundoberfläche muss feucht und geschützt bleiben. Geeignete Materialien: dünne Hydrokolloide, transparente Folienverbände, Silikonwundauflagen. Verbandwechsel nur bei Bedarf, um die empfindliche Epithelschicht nicht zu zerstören. Hautpflege der Wundumgebung mit barrierefördernden Cremes.
Dokumentation und Fotodokumentation
Tipp: Fotodokumentation
Prävention: Wunden vermeiden
Regelmäßige Hautinspektion bei allen gefährdeten Patientinnen und Patienten
Druckentlastung durch Mikrolagerung, Positionswechsel und geeignete Hilfsmittel
Ernährungsoptimierung: ausreichend Eiweiß, Vitamine (A, C, Zink) und Flüssigkeit
Bewegungsförderung und frühzeitige Mobilisation nach Operationen
Kompressionstherapie bei venöser Insuffizienz konsequent anwenden
Blutzuckereinstellung optimieren bei Diabetes mellitus
Hautpflege mit pH-neutralen, rückfettenden Produkten
Schulung von Patientinnen, Patienten und Angehörigen zur Selbstbeobachtung
Die beste Wundversorgung ist die, die nicht nötig wird. Prävention beginnt mit dem ersten Blick auf die Haut.
Nächster Schritt: Wundmanagement vertiefen
Dennis Tefett, M.Sc.
Pflege- und Neurowissenschaftler. Gründer des Refresher Zentrums. Über 300 Führungskräfte und Praxisanleitende geschult.
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