Warum Expertenstandards so wichtig sind
Was sind Expertenstandards?
Alle 13 Expertenstandards im Überblick
Dekubitusprophylaxe (2017)
Systematische Risikoeinschätzung, Hautinspektion, individuelle Maßnahmenplanung und Druckentlastung. Ziel: Vermeidung von Druckgeschwüren durch frühzeitige Erkennung gefährdeter Patientinnen und Patienten sowie gezielte Bewegungsförderung und Lagerung.
Entlassungsmanagement (2019)
Frühzeitige Einschätzung des poststationären Versorgungsbedarfs, multiprofessionelle Planung und strukturierte Überleitung. Ziel: nahtlose Versorgung nach dem Krankenhausaufenthalt ohne Versorgungsbrüche.
Schmerzmanagement bei akuten Schmerzen (2020)
Systematische Schmerzeinschätzung, medikamentöse und nicht medikamentöse Interventionen, regelmäßige Verlaufskontrolle. Ziel: schnelle und wirksame Schmerzlinderung bei akuten Schmerzereignissen.
Schmerzmanagement bei chronischen Schmerzen (2020)
Umfassende Schmerzanamnese, multimodale Therapieansätze, Förderung der Selbstmanagementkompetenz. Ziel: bestmögliche Lebensqualität bei dauerhaft bestehenden Schmerzzuständen.
Sturzprophylaxe (2022)
Identifikation von Sturzrisikofaktoren, individuelle Maßnahmenplanung (Kraft, Balance, Umgebungsgestaltung, Medikamentenreview) und Evaluation nach Sturzereignissen. Ziel: Vermeidung von Stürzen und sturzbedingten Verletzungen.
Förderung der Harnkontinenz (2014)
Differenzierte Einschätzung der Kontinenzsituation, individuelle Kontinenzförderung (Beckenbodentraining, Miktionstraining, Toilettentraining) und Versorgung mit geeigneten Hilfsmitteln. Ziel: Erhaltung oder Wiederherstellung der Kontinenz.
Pflege von Menschen mit chronischen Wunden (2015)
Systematisches Wundassessment, phasengerechte Wundversorgung, Schmerzmanagement und Rezidivprophylaxe. Ziel: Wundheilung fördern und die Lebensqualität Betroffener verbessern.
Ernährungsmanagement (2017)
Screening auf Mangelernährung, individuelle Ernährungsplanung, Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme und Evaluation des Ernährungszustands. Ziel: bedarfsgerechte Ernährung sicherstellen und Mangelernährung verhindern.
Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz (2019)
Personzentrierte Grundhaltung, Verstehen von Verhaltensweisen als Ausdruck von Bedürfnissen, Gestaltung einer vertrauensbildenden Beziehung. Ziel: Wohlbefinden und Lebensqualität von Menschen mit Demenz fördern.
Erhaltung und Förderung der Mobilität (2020)
Einschätzung der Mobilität, individualisierte Bewegungsförderung, Umgebungsanpassung und Motivation. Ziel: Selbstständigkeit in der Fortbewegung erhalten oder verbessern und Immobilitätsfolgen vermeiden.
Mundgesundheit in der Pflege (2021)
Einschätzung des Mundgesundheitsstatus, individuelle Mundpflege, Zusammenarbeit mit zahnmedizinischen Fachkräften. Ziel: Mundgesundheit erhalten, Erkrankungen der Mundhöhle frühzeitig erkennen und behandeln lassen.
Erhaltung und Förderung der Hautintegrität (2023)
Hautassessment, präventive Hautpflege, Erkennung von Hautveränderungen und interprofessionelle Zusammenarbeit. Ziel: intakte Haut erhalten und Hautschäden durch pflegerische Maßnahmen verhindern.
Mundgesundheit bei Pflegebedürftigen (2024)
Erweiterte Einschätzung bei pflegebedürftigen Menschen, alltagsintegrierte Mundpflege, Unterstützung bei eingeschränkter Selbstpflegefähigkeit. Ziel: Mundgesundheit auch bei komplexem Pflegebedarf sicherstellen.
Implementierung in der Praxis
Ist-Analyse durchführen
Prüfen Sie den aktuellen Stand in Ihrer Einrichtung: Welche Standards sind bereits implementiert? Wo gibt es Lücken? Welche Assessmentinstrumente werden genutzt? Eine ehrliche Bestandsaufnahme ist die Grundlage für gezielte Verbesserungen.
Multiprofessionelles Team bilden
Binden Sie Pflegefachkräfte, Praxisanleitende, Qualitätsbeauftragte und (wo relevant) Therapeutinnen, Therapeuten und Ärztinnen, Ärzte ein. Die Implementierung gelingt nur, wenn alle Beteiligten den Standard verstehen und mittragen.
Schulung und Qualifizierung
Schulen Sie das gesamte Team zu den Inhalten des jeweiligen Standards. Nutzen Sie Fallbeispiele, praktische Übungen und Reflexionsrunden. Praxisanleitende spielen hier eine Schlüsselrolle als Multiplikatoren.
Anpassung der Dokumentation
Passen Sie Ihre Pflegedokumentation an die Vorgaben des Standards an. Assessmentinstrumente, Maßnahmenpläne und Evaluationsbögen sollten den Struktur-, Prozess- und Ergebniskriterien entsprechen.
Evaluation und kontinuierliche Verbesserung
Überprüfen Sie regelmäßig, ob die Implementierung erfolgreich ist. Nutzen Sie Qualitätsindikatoren, Fallbesprechungen und interne Audits. Expertenstandards sind lebendige Instrumente, die kontinuierliche Aufmerksamkeit erfordern.
Expertenstandards sind keine bürokratische Pflicht, sondern das Versprechen der Profession an die Menschen, die sich uns anvertrauen: Wir arbeiten nach dem besten verfügbaren Wissen.
| Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP)
Selbstcheck: Expertenstandards
Kenne ich alle 13 aktuellen Expertenstandards des DNQP und deren Kernaussagen?
Weiß ich, welche Standards in meiner Einrichtung bereits implementiert sind?
Kann ich die drei Ebenen (Struktur, Prozess, Ergebnis) jedes Standards erklären?
Bin ich mit den empfohlenen Assessmentinstrumenten der relevanten Standards vertraut?
Nehme ich an regelmäßigen Schulungen und Aktualisierungen zu Expertenstandards teil?
Nutze ich Expertenstandards als Grundlage für die Anleitung von Auszubildenden?
Kenne ich die rechtliche Bedeutung der Expertenstandards (§ 113a SGB XI)?
Nächster Schritt: Vertiefung
Dennis Tefett, M.Sc.
Pflege- und Neurowissenschaftler. Gründer des Refresher Zentrums. Über 300 Führungskräfte und Praxisanleitende geschult.
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